Im Oktober vor 16 Jahren

Wenn jemand stirbt, suche ich nicht nach den richtigen Worten. Man meint vielleicht immer, wenn es Irritationen gibt, müsse man etwas sagen. Das sind wir so gewohnt, dass man etwas sagen muss in den meisten Fällen. Wobei ich glaube, im Verlust ist es am wichtigsten für einen Moment wortlos und einfach nur zu sein. Zu spüren, was fehlt. Wenn jemand unwiderruflich geht, kann man oft nicht sprechen, man kann nur fühlen und manchmal schreien, aber das sind keine Worte. Es bleibt immer etwas übrig, nämlich man selbst und manchmal auch noch etwas vom anderen.

Im direkten Verlust gibt es keinen Verstand und keine Logik. Es gibt keine Vorstellung davon, wie sich die nächste Minute anfühlen wird. Es gibt nur ein Entsetzen darüber, wie die Welt einfach so weitermacht. Wie der ganze Rest nichts vermutet von dem, was einem gerade passiert und plötzlich gibt es ein Unvermögen teilzunehmen, wie man es vor dem Verlust getan hat.

Dazu gibt es eine Ahnung davon, dass dies eines der Gefühle ist und diese Tage eine Zeit, an die man sich noch lange erinnern wird.

Im unmittelbaren Verlust wird die Veränderung spürbar. Mit einem passiert etwas. Direkt danach weiß man, dass man von nun an anders lebt, Farben anders sieht, Musik anders hört und man bemerkt die Erinnerungen, die von nun an leuchtend flimmern.

Es wird eine Weile dauern, sich daran zu gewöhnen. Das Flimmern wird nachlassen, aber das weiß man noch nicht.

Im Oktober vor 16 Jahren.

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